Begleitprozess "Pillenlos statt willenlos - PiWi"
Der Caritasverband für die Diözese Münster begleitet stationäre Pflegeeinrichtungen bei der Reduktion nicht notwendiger Psychopharmaka und fördert einen person-zentrierten Umgang mit Bewohnerinnen und Bewohnern mit besonderen Verhaltensweisen. Durch Beratung, Schulungen und die Qualifizierung von Fachkräften werden Mitarbeitende in ihrer fachlichen Kompetenz und Verantwortungsübernahme gestärkt. Ziel ist eine nachhaltige Veränderung der Organisationskultur, die die Lebensqualität der Bewohner verbessert und alternative Handlungsstrategien zur Psychopharmakagabe etabliert.
Zunächst werden drei stationäre Pflegeeinrichtungen bei der Entwicklung und Umsetzung einer fachlich fundierten und haltungsbewussten Praxis im Umgang mit Menschen mit Demenz, psychischen Erkrankungen und so genannten herausfordernden Verhaltensweisen begleitet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Belastungssituationen ohne vorschnellen Einsatz von Psychopharmaka bewältigt werden können.
In der Beratung der Einrichtungen baut PiWi gezielt auf den Erfahrungen des Vorgängerprojekts OPESA (Optimierung des Psychopharmaka-Einsatzes in der stationären Altenpflege) der Diözesan-Caritasverbände für die Erzbistümer Köln und Paderborn auf (Caritasverband für das Erzbistum Köln | Stationäre Pflege) auf. Die dort entwickelten Ansätze zur Analyse von Verhaltensweisen, zur interdisziplinären Zusammenarbeit sowie zur Qualifizierung von Fachkräften werden aufgegriffen und für die Einrichtungen im Bistum Münster weiterentwickelt.
Zentrale Erkenntnisse zeigen beispielsweise, dass eine kritische Reflexion des Psychopharmaka-Einsatzes und die Suche nach den Ursachen herausfordernden Verhaltens zu einer spürbaren Reduktion unnötiger Verordnungen beitragen können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich Verbesserungen besonders dann nachhaltig verankern lassen, wenn alle an der Versorgung Beteiligten ihre fachliche Verantwortung wahrnehmen und Pflegefachkräfte als qualifizierte Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner im Medikationsmanagement gestärkt werden.
Durch die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse, praktischer Beratung und organisationsbezogener Entwicklung wird eine Kultur gefördert , die besonderes Verhalten besser versteht, die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner erhöht und Psychopharmaka konsequent als „Ultima Ratio“ betrachtet.
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