Besuch für Rares in seiner Wohngruppe in Nordkirchen: Christiane (rechts) und Hildegard Kuhlmann informierten sich über das Projekt, das sie unterstützt haben. Foto: Michael Bönte, Caritasverband für die Diözese Münster
Und dann stand Rares am Strand von Zandfort, den Sand zwischen den Zehen, die Wellen der Nordsee um die Waden. Urlaubsgefühle, wenn auch nur für einen Tag. Ein außergewöhnliches Erlebnis für den Neunjährigen und seine vier Mitbewohner der intensivpädagogischen Wohngruppe für Kinder mit herausforderndem Verhalten. Mit fünf Begleitenden war er in den Ferien aus der Kinderheilstätte Nordkirchen an die niederländische Nordsee aufgebrochen. Ermöglicht auch durch Spenden der Caritas GemeinschaftsStiftung im Bistum Münster.
Vier Stunden mit dem Kleinbus hin, vier Stunden wieder zurück. Dazwischen fünf Stunden Sandburgen bauen, Pommes Frites essen, Baden. "Ein großer Aufwand für uns alle", sagt Heilerziehungspfleger Johannes Maybaum. "Aber einer, der sich absolut lohnt." Denn Urlaub ist für die Jugendlichen und Kinder seiner Wohngruppe sonst kaum möglich. In der Finanzierung der Betreuungsplätze ist das nicht vorgesehen. "Obwohl Tage wie diese eine großartige Wirkung auf uns alle haben."
Tage wie diese - das sind Auszeiten, die vom Projekt "Urlaub ohne Koffer" der Kinderheilstätte ermöglicht werden. Für die unterschiedlichen Gruppen der Einrichtung gibt es dafür 150 Euro pro Kind und Ferien. Das Geld kommt ausschließlich von Spendern. "Wir haben schon gezeltet, haben hier auf dem Gelände eine Wasserlandschaft aufgebaut oder sind ins Freizeitbad gefahren", sagt Maybaum. "All das sind einzigartige Erlebnisse für Kinder, für die die ganzen Ferien sonst ähnlich aussehen würden wie der normale Alltag."
Christiane und Hildegard Kuhlmann haben mit der von ihnen unter dem Dach der Caritas GemeinschaftsStiftung gegründeten Stiftung 600 Euro gespendet. Und sind damit zu "Sonnenpaten" geworden. So werden die Unterstützer des Projekts genannt, weil sie den Kindern das schenken, wofür Ferien und Urlaub stehen: Sonne und das Gefühl von Freiheit. "Besser können wir die Stiftungsgelder nicht anlegen", sagt Christiane Kuhlmann. "Weil die Idee mit Gold nicht aufzuwiegen ist", sagt ihre Schwester.
Für den Freizeitbereich der Kinder und Jugendlichen in heilpädagogischen Einrichtungen gibt es keine anderen Kostenträger. "Sie sind auf das Ehrenamt und zusätzliches Engagement der Betreuenden angewiesen", sagt Hildegard Kuhlmann. "Wenn die Motivation aller vorhanden ist, wäre es traurig, wenn es am Geld scheitern würde." Mit großem Respekt schaut sie auf den Einsatz aller Beteiligten.
Die Sonnenpaten gibt es bereits seit 16 Jahren. Seither haben die Initiatoren in Nordkirchen es geschafft, alle Urlaubswünsche der insgesamt mehr als 200 Kinder und Jugendlichen in den Wohnbereichen zu erfüllen. Fahrten ans Meer gehörten genauso dazu wie die Eselswanderung oder die Fahrt mit der Eisenbahn. Es gibt viele Unterstützer, auch weil sie immer konkret erfahren, wo genau ihre Spenden zum Einsatz kommen. Das beeindruckte auch die Schwestern Kuhlmann, die sich in der Wohngruppe "Sputnik" über die Erlebnisse in Zandfort berichten ließen.
"So ein Tag strahlt weit über die gemeinsame Fahrt hinaus", sagt Maybaum. "Wir bekommen von den Kindern neue Impulse für unsere Beziehungen mit ihnen zurück." Sich gegenseitig außerhalb der Alltags-Routine zu erleben, helfe, neue Verbindungen aufzubauen und alte zu vertiefen. "Unbezahlbare Impulse", nennt er das. Eben mit Gold nicht aufzuwiegen.
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.
053-2026 (mib) 15. Oktober 2026