Zwei Wochen Partystimmung: Die Kinder aus Coesfeld genießen jeden Moment ihrer Ferienfreizeit im Sauerland.Michael Bönte, Caritasverband für die Diözese Münster
Die Energie schwindet nicht - auch nicht nach fast zwei Wochen "Lagerleben": Beim Abendessen der Ferienfreizeit der Pfarrgemeinde St. Lamberti aus Coesfeld hält es keinen auf den Holzstühlen. Immer wieder springen die 54 Kinder mit ihren Betreuenden auf. Sprechchöre, Tänze oder auch Wettrennen durch die Schützenhalle im Sauerländischen Bestwig-Heringhausen sind dann angesagt.
"Das ist ganz normal", sagt Mika Mersmann aus dem Leitungsteam der Freizeit. "Die sind erst ruhig, wenn sie endlich schlafen." Das wird aber noch dauern. Die Acht- bis 14-Jährigen haben für das Abendprogramm Sketche eingeübt. Danach wartet dann das traditionelle Rumoren vor dem Ins-Bett-Gehen. "Daran hat sich seit meiner eigenen Zeit als Teilnehmer nichts geändert", sagt der 21-Jährige. Auch im Programm steht viel Altbekanntes: Lagerdisko, Suchspiele, Nachtwanderung… "Selbst in Zeiten von Social Media funktioniert das noch."
Die Handys haben die Kinder abgegeben. Stattdessen gibt es ein "echtes Gemeinschaftsgefühl", sagt Mersmann. Mit einfachen Mitteln: "Ohne Eltern und große Zwänge, mit viel Freiheit, Abenteuern und Freundschaften." Mit der Unterstützung der 19 ehrenamtlichen Betreuenden lernen sie dabei auch einen respektvollen Umgang miteinander, erledigen Aufgaben wie etwa Tisch- und Spüldienste, lösen selbstständig Probleme und übernehmen Verantwortung.
Ermöglicht wird das auch durch die Caritas GemeinschaftsStiftung für das Bistum Münster. Die darin organisierte Dr. Heinrich Petri Stiftung hat in diesem Jahr einen Zuschuss von 5000 Euro gegeben. Neben den Teilnahme-Gebühren, öffentlichen Geldern und Spenden konnte damit eine Finanzierungslücke geschlossen werden, die den Eigenanteil der Familien sonst stark erhöht hätte. Denn trotz ausschließlich freiwilligen Helfern und der organisatorischen Unterstützung durch die Pfarrgemeinde können die etwa 20.000 Euro Gesamtkosten nicht gedeckt werden.
"Die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Busfahrten sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen", sagt Mersmann. Eintrittsgelder und Material sind das eine - bei den Lebensmitteln ist der Anstieg aber besonders spürbar. Die Menge machts: Wenn die Kochfrauen etwa 1000 Brötchen, 60 Kilo Kartoffeln oder 20 Kilo Nudeln einkaufen müssen, addiert es sich. "Das können wir nicht einfach auf die Teilnahme-Gebühren umlegen." Knapp 300 Euro zahlen die Eltern pro Kind. "Für nicht wenige wäre es ein großer Brocken, wenn wir plötzlich 100 Euro mehr nehmen müssten." Gerade Familien mit mehreren Kindern könnten sich das Angebot dann nicht mehr leisten.
"Dieser Zuschuss zeigt, wie mit diesen Mitteln viel erreicht werden kann", sagt Tobias Glose von der Caritas GemeinschaftsStiftung. "Es erreicht Menschen, denen es Möglichkeiten schenkt, die sie sonst nicht hätten." Eine solche Unterstützung sei durch die Caritas-Stiftung auf vielen Wegen möglich. "Durch Zustiftungen, Gründung eigener Stiftungen oder Spenden." Immer im Blick dabei sei die Chance, Menschen Perspektiven zu geben.
"Hier ist den ganzen Tag Action", sagt Jule. "Das ist echt klasse." Die 13-Jährige genießt die "große Freiheit" im Sauerland, auch wenn das Zuhause in Coesfeld nur etwa 150 Kilometer entfernt liegt. "Ich brauche nur die anderen hier und viel Spiel und Sport." Das Essen zählt sie ebenfalls dazu. Wenn es auch einfach ist. Heute Abend gibt es Brot, Rohkost und "Lagerlülle", dem Erfrischungsgetränk aus dem großen Abfüll-Behälter. Und natürlich jede Menge Spaß, sagt sie und klatscht dann beim gemeinsamen Schlachtruf so auf den Tisch, dass die Teller nur so klirren.
Weitere Informationen: www.caritas-gemeinschaftsstiftung.de
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.