Sozialarbeiterin Anetta Uhlenberg im Gespräch mit Zeynep.Carolin Kronenburg / Caritasverband für die Diözese Münster
Als Zeynep (Name von der Redaktion geändert) mit ihrer eineinhalbjährigen Tochter nach Hause kommt, ist die Wohnung fast leergeräumt. Ihr Mann ist, für sie völlig unerwartet, zu seiner neuen Freundin gezogen. Ein Gefühl, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen. Zeynep ist mit Zwillingen schwanger. Soll sie die Kinder bekommen? Kann sie das alleine schaffen?
Die 33-Jährige sucht, wie schon in der ersten Schwangerschaft, Rat bei Anetta Uhlenberg von der Katholischen Schwangerschaftsberatung (KSB) des Sozialdienstes katholischer Frauen in Datteln. "Das ist hier der einzige Ort, an dem ich unvoreingenommen beraten werde und unbürokratisch Hilfe erhalte."
Anetta Uhlenberg habe ihr geholfen, die Gedanken zu ordnen und Behördengänge wie Jobcenter, Wohnungs- und Sozialamt gut zu meistern. Zeynep entscheidet sich für die Schwangerschaft. "Ganz lange war ich verunsichert, jetzt inzwischen freue ich mich auf die Kinder."
Große Sorge bereitet ihr jedoch, dass sie keine Wohnung finden kann. Migrationshintergrund, alleinerziehend, Privatinsolvenz - keine Chance. Zurzeit lebt die Bürokauffrau wieder im Elternhaus - zu viert brauchen und möchten sie aber so bald wie möglich ein eigenes Zuhause.
Zeynep ist eine von 330 Ratsuchenden, die im Jahr 2025 bei der KSB in Datteln, Waltrop und Oer-Erkenschwick Hilfe gefunden haben. "Die Frauen können mit jedem Anliegen kommen", sagt Sozialarbeiterin Anetta Uhlenberg. Zentrale Beratungsthemen seien die finanzielle Situation, sozialrechtliche Ansprüche, Vorsorge, Geburt und Schwangerschaft, Wohnungsnot, Berufs- und Ausbildungssituation, physische und psychische Belastungen sowie fehlende Sprachkenntnisse. "Ich bin für viele Frauen der Anker." Wenn sie selbst nicht helfen kann, vermittelt sie zu anderen Diensten wie beispielsweise der Schuldnerberatung.
"Für mich ist die Schwangerschaftsberatung ein Spiegel der Gesellschaft", sagt die 57-Jährige. "Wir bekommen hier sofort zu spüren, was in Politik und Gesellschaft los ist." Sie bemerke beispielsweise die Schärfe der Behörden aufgrund des politischen Drucks. Die Beratung zu Kinderzuschlag, Eltern- und Wohngeld sei massiv gestiegen, da den Frauen Unterstützung durch die Ämter fehle, und sie dort oft - wie Zeynep - auf starke Vorurteile stießen.
Was Anetta Uhlenberg aus Datteln berichtet, steht beispielhaft für die 14 Beratungsstellen im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster, bestätigt Elena Monin, Referentin für Schwangerschaftsberatung beim Diözesancaritasverband in Münster. Auch in 2025 wurden die steigenden Lebenshaltungskosten und die Wohnungsnot als zentrale soziale Belastungen in den 7.001 Beratungsfällen (2024: 7.664 Fälle) benannt. Der anhaltend akute Wohnungsmangel, insbesondere im Bereich der Sozialwohnungen, zeige sich dabei nicht nur in den klassischen Metropolregionen, sondern zunehmend auch im Umland größerer Städte, so Elena Monin. Die 56 beratenden Fachkräfte haben insgesamt 22.720 Beratungsgespräche (2024: 23.872 Beratungsgespräche) mit schwangeren Frauen, jungen Müttern, Paaren und Familien in Not- und Konfliktsituationen geführt.
Die unmittelbare finanzielle Not konnte mithilfe folgender Stiftungen, Fonds und Spenden im vergangenen Jahr gelindert werden: Über die Bundesstiftung Mutter und Kind wurden 2.591 Anträge mit 1.842.561,04 Euro bewilligt; 1.128 Anträge konnten über den Bischofsfonds mit 896.074,64 Euro gefördert werden, die Soforthilfe des Bischofsfonds umfasste 22.740 Euro und kommunale Hilfsfonds 80.570,75 Euro. "Hauptposten sind Beihilfen für Umstandskleidung, Säuglingsausstattung sowie eine kindgerechte Wohnungsausstattung", sagt Elena Monin.
So konnte auch Zeynep aus Datteln unbürokratisch geholfen werden. Mittlerweile sind ihre Zwillinge, ein Mädchen und ein Junge, gesund zur Welt gekommen. Und auch wenn es alleine mit drei kleinen Kindern anstrengend ist, ist Zeynep glücklich.
Den Jahresbericht der Katholischen Schwangerschaftsberatung im Bistum Münster finden Sie hier.
Zum CariTalk Podcast "Schwanger - und jetzt?" geht es hier.
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.