Begegnung mit Erfrischung: An langen Tischen konnten die Menschen in Hamm miteinander essen, trinken und ins Gespräch kommen.Michael Bönte / Caritasverband für die Diözese Münster
Die Zutaten sind einfach: 64 Tische, 130 Bänke. Und fertig ist die Kulisse für ein Event, das bereits zum vierten Mal auf dem Marktplatz vor der Pauluskirche mitten in Hamm stattfindet. Die Caritas der Stadt hat wieder an die "Tafel der Solidarität" geladen und 800 Gäste haben Platz genommen. Die haben auch die restlichen Requisiten mitgebracht, um die zwei gemeinsamen Stunden zu einem außergewöhnlichen Miteinander zu machen: Tischdecken, Geschirr, Dekorationen, Essen und Trinken.
Damit ist die Bühne frei für spontane Begegnungen mit anderen Menschen: Für Gespräche mit neuen Bekanntschaften. Für eine gemeinsame Zeit, bei der alle Themen ihren Platz am Tisch haben dürfen. Im Mittelpunkt steht aber die Situation jener Menschen, deren Armut im Stadtbild immer wieder deutlich wird.
"Mir ist es wichtig, dass wir auf Menschen aufmerksam machen, für die eine tägliche Mahlzeit nicht selbstverständlich ist", sagt etwa Bärbel Hagemann, die mit weiteren freiwilligen Helferinnen des Mobilen Medizinischen Dienstes in Hamm ihren Tisch gedeckt hat. Claudia Breer, die mit Freunden einen gemeinsamen Platz gefunden hat, findet sich vor allem von den zwei Begriffen des Mottos angesprochen: "Mein Mann und ich helfen regelmäßig bei der Tafel hier in Hamm und Solidarität ist das, was die Menschheit heute braucht."
"Die Idee vor zwölf Jahren war es, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen, die sonst oft nebeneinanderher leben", sagt Elmar Marx, Vorstand der Caritas Hamm. "Dass das zwölf Jahre später immer noch funktioniert, spürt man an diesem Nachmittag deutlich." Familien, Nachbarschaften, Engagierte, Mitarbeitende sozialer Dienste sowie Vertreter aus Stadtgesellschaft und Einzelhandel haben sich zusammengesetzt. "Es gibt viele Begegnungen besonderer Art, denn auch Menschen, die selbst von Armut und Wohnungslosigkeit betroffen sind, bringen ihre Perspektiven in die Gespräche ein."
Für nicht wenige ergibt sich zwischen den Salaten, Broten, Kuchen, Obst und kühlen Getränken ein Perspektivwechsel. Es wird deutlich, dass es Sichtbarkeit und Verstehen braucht, wenn es um Fragen geht, wie in Hamm mit sozialen Notlagen umgegangen wird. Das ist auch Thema des begleitenden Bühnenprogramms mit Gesprächspartnern der Caritas und der Stadt. Tenor: Das Leben in der Innenstadt ist komplex, braucht gegenseitige Wahrnehmung und lässt keine einfachen Antworten auf soziale Herausforderungen zu.
Ein Ansatz, der auch Franziska Lindfeld vom Caritasverband für die Diözese Münster begeistert. "Wenn es uns gelingt, eine solche Kontaktfläche zu schaffen, lassen sich nicht nur Wissenslücken schließen", sagt die Leiterin des Bereichs Engagement und Kirche und Referentin für Bürgerschaftliches Engagement. "Es ergeben sich auch neue Blickwinkel, aus denen die Situation der anderen nachvollziehbar wird."
Eine solche Transparenz verhindert Vorurteile und öffnet Türen für den Einsatz für andere Menschen, sagt Lindfeld. "Unterstützung und Hilfen sind dann leichter möglich." Auch die Arbeit der Caritas werde dabei sichtbar. Das Engagement der vielen Freiwilligen in sozialen Projekten ebenso. "Es wird deutlich, wie sehr unsere Gesellschaft darauf angewiesen ist, dass es Menschen gibt, die die Sorgen der anderen verstehen und helfen."
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.