In der Kinder-Wohngruppe wurden die Besucher herzlich empfangen (von links): Stefan Brigoleit, Dominique Hopfenzitz und Daniela Surmann.Foto: Michael Bönte, Caritasverband für die Diözese Münster
Die Fragen kamen wunderbar direkt. "Wie alt sind Sie? Haben Sie Kinder? Wieviel verdienen Sie?" Mit großer Neugier hat der Kinder- und Jugendrat der Wohngruppen Sankt-Josef Kinder-, Jugend- und Familienhilfe in Duisburg den Diözesancaritasdirektor aus Münster, Dominique Hopfenzitz, und die Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe der Caritas für das Bistum Münster, Daniela Surmann, empfangen. Und auch mit der Frage, was der Verband eigentlich konkret für junge Menschen tut.
"Ihr habt Rechte, etwa auf Bildung, ausreichend Platz zum Wohnen oder auf eine ordentliche Verpflegung", erklärte Hopfenzitz den zehn jungen Bewohnenden die Hintergründe der Verbandsarbeit. "Damit euch das in euren Wohngruppen möglich ist, müssen wir die Politiker immer wieder an diese Rechte erinnern." Der Verband mache sich in Gesprächen und Forderungen dafür stark, "dass es jedem Kind gut geht".
Welche Entwicklungsmöglichkeiten den Kindern und Jugendlichen in den Wohngruppen damit gegeben werden, sei ein wichtiger Antrieb für die Arbeit seines Teams, sagte der Geschäftsführer der Einrichtung, Stefan Brigoleit. "Zu erleben, zu welchen Schritten sie trotz schwieriger Hintergründe fähig sind, tut gut." Die Bewohner und Bewohnerinnen kommen oft aus prekären Familienverhältnissen, auch die Arbeit mit den Eltern gehört zur Aufgabe der Einrichtung. "Wenn dann aus dem jungen Mädchen, das beim Einzug kaum sprechen wollte, eine Jugendliche wird, die ihre Ausbildung meistert, sind das stärkende Erlebnisse."
"Wir erleben hier einen unschätzbaren Einsatz aller Mitarbeitenden für Kinder und Jugendliche in herausfordernden Lebenssituationen", sagte Surmann. "Das geht weit über den zentralen Arbeitsauftrag des Schutzes, der Förderung, der Betreuung, der Erziehung und Bildung hinaus." Die Voraussetzungen dafür zu stabilisieren und zu verbessern, sei ein zentraler Anspruch des Diözesancaritasverbandes. "Sie brauchen faire Bedingungen für ihre Leistung." Das gelte auch für die Refinanzierung der Tarife.
Die Gäste bekamen einen umfangreichen Einblick in die Arbeit in den Wohngruppen, den pädagogischen Herausforderungen und den organisatorischen Hintergrund der Einrichtung. Auch die Umbaumaßnahmen im zentralen Gebäude in Duisburg-Rheinhausen wurden besichtigt. Insgesamt mehr als 200 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wird in Wohngruppen, Intensivgruppen, Tagesgruppen, betreutem Wohnen sowie im Bereich der ambulanten Angebote geholfen. Etwa 180 Mitarbeitende sind an verschiedenen Standorten im Einsatz.
"So ein Besuch ist nicht selbstverständlich", bedankte sich Brigoleit bei den Gästen. "Er zeigt, dass es in Münster ein echtes Interesse daran gibt, wo unsere Herausforderungen im Alltag liegen." Hopfenzitz betonte, dass es dem Diözesancaritasverband wichtig sei, die Arbeit vor Ort zu erleben und zu verstehen, um ein Kommunikator in den sozialpolitischen Diskussionen sein zu können. "Nur so ist es uns möglich, Ihre Interessen nach oben zu vertreten."
"Und in diesem Holzhaus spielen wir Vater-Mutter-Kind." Eine sechsjährige Bewohnerin führte die Gäste schließlich mit einladender Fröhlichkeit durch die Räume ihrer Wohngruppe. Den Schminkkoffer in ihrem Schlafzimmer, die Tomaten im Hochbeet des Gartens und das "Dschungelzimmer" für die Hausaufgaben präsentierte sie dabei genauso wie den frisch gebackenen Kuchen in der Küche.
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.