Wege aus der Einsamkeit
Einsamkeit nimmt in unserer Gesellschaft zu. Viele Menschen, unabhängig von Alter oder der Lebenssituation, fühlen sich einsam. Einsamkeit ist das Gefühl, nicht verbunden zu sein, niemanden zu haben, der zuhört oder versteht. Einsamkeit kann krank machen und kann dazu führen, empfänglicher zu sein für Impulse extremer Gruppierungen. Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Fürsorge für den Nächsten und um unsere Demokratie zu stärken, setzt sich der Caritasverband für die Diözese Münster für mehr Miteinander ein.
Zusammen geht was!

Mit dieser Aussage trifft Steffi Neu, WDR-Moderatorin und Buchautorin, den Nagel auf den Kopf. Jede sechste Person ab zehn Jahren – über 12 Millionen Menschen in Deutschland – fühlt sich laut dem Sozialbericht 2024 der Bundeszentrale für politische Bildung häufig einsam. Betroffen sind vor allem Alleinlebende, Alleinerziehende, junge Erwachsene und alte Menschen. Studien belegen: Einsamkeit macht krank.
So weisen Einsame ein mehr als doppelt so hohes Risiko für die Entwicklung einer Depression sowie für Suizidalität auf, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist signifikant erhöht.
Dagegen wollen wir als Diözesancaritasverband etwas tun. Denn Einsamkeit ist kein individuelles Problem, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
„Wir haben doch alle während der Pandemie bemerkt, wie sehr ein Mensch andere Menschen braucht. Besuchsverbote in Krankenhäusern, Senioreneinrichtungen, ein Alptraum“, erinnert sich Steffi Neu. Gerade Menschen in geschwächter Situation brauchten Beistand und Gemeinschaft. Miteinander reden, miteinander erleben, gemeinsame Erinnerungen schaffen und miteinander lachen, könne Mut machen.
„Umso wichtiger ist es, dass neben der Politik sich auch die Caritas dieses Thema auf die Fahnen geschrieben hat und Initiativen fördert“, unterstreicht die Radiomoderatorin. Um Ortscaritas- und Fachverbände zu motivieren, neue Wege aus der Einsamkeit zu ebnen, übernimmt sie gerne die Schirmherrschaft.
Interview mit Steffi Neu
Frau Neu, zu der Anfrage, ob Sie die Schirmherrschaft für die Caritas-Aktion für Gemeinschaft übernehmen, haben Sie sofort Ja gesagt. Warum?
Weil ich das Thema so wichtig finde. Ich erlebe es gerade in meiner Familie: Mein Vater und mein Schwiegervater sind innerhalb von acht Monaten gestorben. Und übrig bleiben zwei Witwen, die über 60 Jahre mit Menschen zusammen waren, die nicht mehr da sind. Lebenspartner, Ritualteiler, das Gegenüber zum Reden und Austauschen.
Da ein Auge zu haben: sind sie verabredet, gibt es Unterhaltung, steht jeden Tag was auf dem Programm, das ist mir und uns wichtig. Und ich kann mir einfach gut vorstellen, wie schnell Menschen in diese „Einsamkeitsspirale“ geraten, ohne es wirklich zu merken.
Zuerst möchte man allein sein, um zu trauern. Und dann fehlt die Kraft, daran wieder was zu ändern. Denn Einsamkeit ist wie eine schwere Decke, die sich langsam über den Körper legt und traurig macht.
Grußwort von Steffi Neu
Haben Sie sich schon einmal einsam gefühlt?
Klar. Als die Kinder klein waren und ich beruflich unterwegs sein musste. Da hat mir meine Familie immer so gefehlt. Oder abends, nach erfolgreichen Veranstaltungen. Dann allein ins Hotelzimmer zu gehen ist anfangs schön, um seine Ruhe zu haben.
Aber dann ist da einfach niemand. Das empfinde ich dann als Einsamkeit. Und darum fahre ich auch – wann immer es geht – abends nach Hause.
Das Thema Einsamkeit wurde lange als individuelles Problem betrachtet. Warum ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe?
Wir sollten alle aufeinander achten. Nicht nur, ob es uns physisch gut geht, auch, ob die Seele in Ordnung ist. Einsame Menschen sagen das ja nicht immer. Weil sie niemandem zur Last fallen wollen. Weil Einsamkeit auch schambehaftet ist. Völlig ohne Grund! Und darum finde ich sehr, dass es eine gesellschaftliche Aufgabe ist dafür zu sorgen, dass sich niemand einsam fühlt.
Wir haben doch alle während der Pandemie bemerkt, wie sehr ein Mensch andere Menschen braucht. Besuchsverbote in Krankenhäusern, Senioreneinrichtungen, ein Alptraum. Gerade Menschen in geschwächter Situation brauchen ja Beistand. Umso wichtiger ist es, dass neben der Politik sich auch die Caritas dieses Thema auf die Fahnen geschrieben hat und Initiativen fördert. Denn Einsamkeit ist keine Frage des Alters, auch Kinder, Jugendliche sind einsam. Und das ist schlimm. Macht was mit den Menschen, und zwar nichts Gutes.
Sie sind nicht nur Radiomoderatorin, sondern auch Autorin. Eines Ihrer Bücher trägt den Titel „Meine Mutmacher – wahre Geschichten übers Straucheln und wieder Halt finden“. Was könnte einsamen Menschen Mut machen?
Lachen ist das beste, günstigste und körpereigene Heilmittel, das wir alle in uns tragen. Miteinander reden, miteinander erleben, gemeinsame Erinnerungen schaffen – und miteinander lachen. Das finde ich sehr wichtig.
Bitte beenden Sie den Satz: Zusammen geht was, weil …zusammen niemand einsam sein muss.
Das Interview führte Carolin Kronenburg