Lebendiges Miteinander um den Aktivtisch in der Tagesstrukturierenden Maßnahme der Stiftung Haus Hall: Brenda Hoffmann (Zweite von links) mit den Teilnehmenden beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel.Foto: Michael Bönte / Caritasverband für die Diözese Münster
Da ist was los in der Runde der Tagesstrukturierenden Maßnahme (TSM) "Luzia" der Stiftung Haus Hall in Gescher. Im Gemeinschaftsraum des Hauses in der Ortsmitte wird angefeuert, gelacht und gesungen. Die acht Teilnehmenden am Angebot haben den Aktivtisch in die Mitte genommen - einen echten Alleskönner. Auf dem großen Touchscreen können sie unter anderem zwischen Spielen, Rätseln, Musik oder Sportübungen wählen. Die Menschen mit Behinderung sind sichtlich begeistert von den vielen Möglichkeiten des Geräts.
"Der absolute Favorit ist das Spiel Dalli-Klick", sagt Brenda Hoffmann. Die Leiterin der TSM erlebt auch heute, wie die Teilnehmenden bei dem Ratespiel mitgehen. Es gilt, Bildmotive zu erraten, die nach und nach hinter kleinen Kacheln zum Vorschein kommen. "Es ist erstaunlich, welche Strategien sie entwickeln, wie sie zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen." Das gilt nicht nur für dieses Rätsel. Das gilt genauso für das Mensch-Ärgere-Dich nicht, für das der Bildschirm zu einem Tisch gedreht wird. Oder für das Luftballon-Spiel, bei dem es darum geht, in einer Minute möglichst viele virtuelle Ballons zum Platzen zu bringen.
Bei aller spürbaren Freude in der Runde - die besondere Technik wirkt viel weiter, sagt Hoffmann. "Verstehen, Gedächtnis, Motorik, Reaktion - es werden viele Fähigkeiten erhalten und gefördert." Für diese Menschen mit Behinderung, die alle im Rentenalter sind, sind das wichtige Bausteine der Prävention. Die kommunikativen Möglichkeiten am Aktivtisch beeindrucken Hoffmann am meisten. Zum Beleg zeigt sie auf die Teilnehmenden, die sich gerade dicht um den Bildschirm drängen, um ein Rätsel zu lösen. "Da wird verbessert, gelobt, geholfen und auch mal gewitzelt - das ist schon toll."
Der Aktivtisch konnte im vergangenen Jahr angeschafft werden, weil die Elke und Werner Fäth Stiftung 5000 Euro zur Verfügung gestellt hatte. Unter dem Dach der Caritas Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Münster unterstützt der Stiftungsfonds, welcher durch Privatpersonen errichtet wurde, die gemeinnützige Arbeit der Stiftung Haus Hall und die von ihr betreuten Menschen mit Behinderung. Der Tisch wandert seitdem durch die Einrichtungen und Angebote und begeistert an jedem Ort die Gruppen.
"Es sind oft solch kleine Unterstützungen, die viel bewirken", sagt Tobias Glose von der Caritas GemeinschaftsStiftung. "Projekten, aber auch einzelnen Menschen ermöglichen sie neue Perspektiven, helfen in der Betreuung und bereichern Lebensqualität." Glose verweist an dieser Stelle darauf, wie Zustiftungen diesen Einsatz für Menschen mit Behinderung in der Region weiter unterstützen können. "Stiftungen werden dadurch nachhaltig gestärkt und können auf Dauer mehr Erträge generieren, die für konkrete Projekte vor Ort eingesetzt werden können."
Dazu zählt auch die Möglichkeit, dass Stiftungen durch den eigenen Nachlass bedacht werden können. Sei es als Erbe oder als Vermächtnisnehmer eines kleinen Teils des Nachlasses. "Wem es wichtig ist, dass der eigene Name auf Dauer erhalten bleibt, kann zudem unkompliziert und ohne Errichtungskosten einen eigenen Stiftungsfonds unter dem Dach der Caritas GemeinschaftsStiftung errichten lassen." Er verweist dabei auf die persönliche und kostenfreie Begleitung durch ihn.
Die Ausstrahlung solcher Stiftungen wird in der TSM "Luzia" gerade mal wieder deutlich: Gabi Glombik wird von den anderen Teilnehmenden gefeiert. Sie hat mit 469 virtuell geplatzten Ballons in einer Minute einen Rekord aufgestellt. "Der Aktivtisch ist eine richtig gute Sache", sagt sie. "Weil wir da alle etwas zusammen machen." Sie spielt auch gern etwas auf ihrem Handy. Das ist für sie aber nicht vergleichbar. "Da sitze ich dann nur für mich." Am Aktivtisch genießt sie das Gemeinsame, das Verbindende.
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.