Angelika Schels-Bernards sieht besorgniserregende Entwicklungen beim Konsum von Nikotin.Michael Bönte / Caritasverband für die Diözese Münster
Kinder und Jugendliche sind vermehrt durch den Konsum neuartiger Nikotin-Produkte gefährdet. Der Caritasverband für die Diözese Münster warnt deshalb vor allem vor E-Zigaretten sowie neuen, teils illegalen Produkten, die neben dem klassischen Konsum immer mehr an Bedeutung gewinnen. Der Wohlfahrtsverband fordert anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai von der Politik eine schnelle Reaktion durch eine strengere Regulierung des Zugangs zu Nikotinprodukten, in der Prävention und in der Entwicklung von Entwöhnungsangeboten.
„Die aktuellen Zahlen sind besorgniserregend“, sagt die Referentin für Suchthilfe der Caritasverbände für die Diözese Münster und die Erzdiözese Köln, Angelika Schels-Bernards. „Denn rund um neue Nikotinprodukte, wie beispielsweise die E-Zigarette, entwickeln sich in den letzten Jahren regelrechte Jugendtrends.“ So griffen laut aktuellen Zahlen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zuletzt 9,5 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen und 16,1 Prozent der 18- bis 25-Jährigen regelmäßig zur E-Zigarette. „Insbesondere ist bei den weiblichen Jugendlichen eine deutliche Zunahme festzustellen.“ Parallel sei auch beim Anteil der minderjährigen Raucherinnen und Raucher wieder ein Anstieg zu verzeichnen.
Dabei werden die Gesundheitsrisiken besonders von E-Zigaretten unterschätzt, sagt Schels-Bernards. „Sie enthalten keineswegs harmlose Inhaltsstoffe – beim Verdampfen entstehen krebserregende und gesundheitsschädliche Substanzen, deren feine Partikel tief in die Lunge gelangen.“ Die Konzentration von Nikotin in diesen Produkten sei zudem sehr hoch. „Nikotin gilt als starkes Nervengift mit erheblichem Abhängigkeitspotenzial.“
„Besonders kritisch ist die Wirkung auf junge Menschen“, so Schels-Bernards. „Während sich das Gehirn noch in der Entwicklung befindet, kann Nikotin nachhaltig negative Auswirkungen auf kognitive Funktionen und das Verhalten haben.“ Sie beobachtet zudem, dass neue Nikotinprodukte über Social-Media gezielt junge Zielgruppen ansprechen. „Nikotinbeutel, die in die Wangentasche gelegt werden, oder nikotinhaltige Zahnstocher sind derzeit illegale gefährliche Trends.“
Die Caritas fordert deshalb einen Ausbau von frühzeitiger Aufklärung und Gesundheitsförderung in Schulen, aber auch im häuslichen Umfeld. Auch der Jugendschutz müsse konsequent durchgesetzt werden, etwa durch Konsum- und Verkaufsverbote sowie durch schärfere Kontrolle bei der Umsetzung bestehender Gesetze. Gegen die Entwicklung und die kindgerechte Vermarktung neuer Nikotinprodukte müsse vorgegangen und Inhaltsstoffe eingeschränkt werden. Design und Inhalt seien oft so ausgerichtet, dass sie etwa mit Aromen Kinder und Jugendliche offensiv ansprächen. Zudem müssten flächendeckend zielgruppenspezifische Entwöhnungsprogramme entwickelt werden, die sich von klassischen Rauchstopp-Angeboten unterschieden, um andere Konsummuster, Produkte und Einstiegswege in den Blick zu nehmen.
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich – die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto „Not sehen und handeln“ sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM – Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.