Kinder benötigen verlässliche Beziehungen, Bildung und soziale Teilhabe, um echte Zukunftsperspektiven zu haben.Michael Bönte/Caritasverband für die Diözese Münster
Eine "stärkere Vernetzung von Bildung, Jugendhilfe, Gesundheit und Familienunterstützung sowie eine stärkere Wirkungsorientierung staatlicher Leistungen" hat der Caritasverband für die Diözese Münster mit Blick auf die aktuelle UNICEF-Studie zum Wohlbefinden von Kindern gefordert. "Deutschland muss Kinderchancen neu denken", sagte Diözesancaritasdirektor Dominique Hopfenzitz. "Nur so können Kindern verlässliche Beziehungen, Bildung, soziale Teilhabe und echte Zukunftsperspektiven ermöglicht werden."
Das Ergebnis der Vergleichsstudie zeigt, dass Deutschland beim Wohlbefinden von Kindern im unteren Mittelfeld liegt, auf Platz 25 von insgesamt 37 bewerteten Ländern. Besonders auffällig ist dabei, dass in vielen Länder mit deutlich geringerer Wirtschaftskraft Kinder unter insgesamt besseren Bedingungen aufwachsen. Die Kinderarmutsquote stagniert hierzulande mit 15 Prozent auf hohem Niveau, auch im Bereich Bildung liegt Deutschland weit unter Durchschnitt.
"Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern hängen weiterhin stark von Herkunft und sozialem Umfeld ab", sagte Hopfenzitz. "Gleichzeitig nehmen psychische Belastungen und soziale Ungleichheiten bei Kindern und Jugendlichen spürbar zu." Beim Gegensteuern dürfe es aber nicht allein um zusätzliche finanzielle Mittel gehen, da bereits erhebliche Ressourcen in Kindertagesbetreuung, Bildung und soziale Hilfen flössen. "Entscheidend ist die Frage, wie wirksam, wie frühzeitig und wie vernetzt diese Unterstützung tatsächlich bei Kindern und Familien ankommt."
Familien mit Unterstützungsbedarf erlebten zu oft komplizierte Zuständigkeiten und fehlende Orientierung, betonte auch Daniela Surmann, Leiterin des Bereichs Kinder-, Jugend- und Familienhilfe beim Caritasverband für die Diözese Münster. "Kinder entwickeln sich nicht in Ressortgrenzen." Damit Chancen nicht schon früh verloren gingen, brauche es "eine frühe Förderung, niedrigschwellige Unterstützung und eine bessere Zusammenarbeit der Systeme".
Viele bestehende Hilfen erreichten die Familien wegen Scham, Überforderung oder fehlender Kenntnis erst gar nicht. Die Folgen seien schwerwiegend, sagte Surmann: "Kinder verlieren dadurch entscheidende Möglichkeiten, weil Unterstützung sie nicht rechtzeitig erreicht." Was nicht nur sozialpolitisch problematisch sei, sondern sich auch gesellschaftlich und volkswirtschaftlich auswirke. "Gerade angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels kann Deutschland es sich nicht leisten, dass Bildungs- und Entwicklungschancen weiterhin so stark vom Elternhaus abhängen."
Kinder, die heute gute Bildung, Förderung und Teilhabe erführen, würden morgen als Fachkräfte, Steuerzahler sowie Beitragszahlende unsere Gesellschaft und unsere sozialen Sicherungssysteme mittragen. "Wer in das Wohl von Kindern investiert, investiert nicht nur in soziale Gerechtigkeit und ihre eigene Zukunft, sondern auch in Zusammenhalt und wirtschaftliche Stabilität."
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.