Regina Leo erlebt jeden Tag, wie außergewöhnlich die Atmosphäre in der Bärengruppe ist.Michael Bönte / Caritasverband für die Diözese Münster
Die Bären sind los: Auf dem Spielplatz des heilpädagogischen Kindergartens die Arche in Münster-Kinderhaus sind bei sonnigem Wetter die besten Voraussetzungen dafür. Das große Gelände lädt zum Toben ein, beliebt ist die Nestschaukel, der Renner ist die Seifenblasen-Maschine. Alles ganz normal also, wenn kleine Kinder Sommerluft schnuppern. Und doch ist diese Gruppe etwas Besonderes - in ihrer Zusammensetzung und in ihrem Zusammenhalt.
Denn die Bärengruppe mit ihren 14 Kindern ist eine kombinierte Gruppe. Das heißt, dass hier jeden Morgen vier Kindern mit Förderbedarf und zehn Kinder ohne zusammenkommen. Diese zehn Plätze werden durch das Kinderbildungsgesetz finanziert. "So etwas gibt es mittlerweile fast überall", sagt Regina Leo. Nichts Neues also, aber doch ein Konzept, das vielen noch nicht bekannt ist. "Gerade in der heutigen Zeit, in der sich die Kindergartenlandschaft rasant verändert, kann es aber eine echte Alternative zu den großen Gruppen in den immer größer werdenden Verbünden sein."
Denn das Profil verändert den Kindergartenalltag. "Entscheidender Unterschied ist die Gruppengröße", sagt Leo. "Wenn sonst manchmal mehr als 25 Kinder zu einer Gruppe gehören, sind es hier eben nicht mal die Hälfte." Das bringt Vorteile, gerade für Kinder, die sich in einem ruhigeren Setting wohler fühlen. Die Betreuung kann intensiver geschehen, auf die Bedürfnisse des einzelnen besser eingegangen werden. "Die Atmosphäre bei den Bären ist damit auch für Kinder ohne Förder- aber doch mit besonderem Betreuungsbedarf eine Chance."
Es ist wie Inklusion in eine andere Richtung. Eben nicht so, dass in eine Kita-Gruppe ein Kind mit Förderbedarf hineinkommt. Hier kommen die Kinder ohne Förderbedarf in die heilpädagogische Umgebung. Mit einem anderen Zahlenverhältnis, und damit auch mit intensiveren Begegnungen.
"Die Kinder mit heilpädagogischem Anspruch können am Beispiel der anderen lernen und erfahren von den anderen Kindern eine besondere Form der Unterstützung", sagt Linda Wade. Die Referentin für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe im Caritasverband für die Diözese Münster weiß aber auch von der Wirkung in die andere Richtung. "Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Perspektivwechsel - das erleben sie hier in eindrucksvoller Normalität."
Wade berichtet von einem fehlenden Wissen über diese Möglichkeiten bei den Eltern. "In der Regel sind es keine Vorurteile, sondern fehlende Informationen." In den 23 heilpädagogischen Kindergärten der Caritas im Bistum Münster würde sie sich mehr kombinierte Gruppen wünschen, sagt sie. "Weil sie so viele Vorteile für alle Beteiligten bringen."
Zwei Kinder in der Bärengruppe erleben das gerade beim Spiel mit den Seifenblasen. Sie haben unterschiedliche Zugänge zu dem Spielzeug gefunden, das automatisch Luft durch die Seifenlauge pustet. Das Interesse des einen liegt vor allem auf der Technik des Geräts, während das andere lieber den Blasen hinterherjagt, um sie zum Platzen zu bringen. Ein ganz normaler Sommertag in der Arche in Münster-Kinderhaus.
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.