Vielseitig gegen die vielen Formen der Einsamkeit: Monika Brüggenthies (links) und Sarah Fuchs freuen sich über die Förderung der Caritas-Projekte.Michael Bönte/Caritasverband für die Diözese Münster
Die vielen Gesichter der Einsamkeit spiegeln sich darin wider: Sechs Caritas-Projekte im Bistum Münster können in den kommenden Monaten mit Hilfe von Innovationsmitteln Projekte gegen das Phänomen der Einsamkeit vorantreiben. Insgesamt stehen dafür 240.000 Euro zur Verfügung; jedes Konzept erhält über einen Zeitraum von zwei Jahren 40.000 Euro. Begleitet wird die Förderung durch die Aktion "Wege aus der Einsamkeit" vom Caritasverband für die Diözese Münster.
"Die vielseitigen Dimensionen der Einsamkeit erfordern ebenso vielseitige Hilfen und Unterstützungsangebote", sagt Monika Brüggenthies, die im Diözesancaritasverband (DiCV) den Bereich Gesellschaft und Zusammenhalt leitet. "Die Bedürfnisse nach sozialen Kontakten sind ebenso unterschiedlich wie die Faktoren, die zu Einsamkeit führen." Ob in der Stadt oder auf dem Land, im Kindes- oder im Rentenalter, in der analogen oder der digitalen Welt - Einsamkeit könne sich in allen Kulissen, Situationen und Beziehungen entwickeln. "Krankheit, ein fehlendes soziales Netz oder eingeschränkte Mobilität sind dabei nur einige von vielen Risiko-Faktoren."
Und so gehen die sechs Projekte, die aus 19 Bewerbungen ausgewählt wurden, aus unterschiedlichen Perspektiven auf Einsamkeit ein:
- Das Angebot "MiteinanderRaum" der Caritas in Castrop-Rauxel organisiert an verschiedenen Tafelausgaben niedrigschwellige Begegnungsmöglichkeiten für gemeinsames Kochen und Essen.
- Bei der Caritas Duisburg sollen Mitarbeitende und Ehrenamtliche durch den Aufbau eines einrichtungsübergreifenden Präventionsnetzwerks zu Einsamkeitsscouts ausgebildet werden, welche dann Warnsignale von Einsamkeit wahrnehmen und passende soziale Angebote entwickeln können.
- Der Caritasverband in Bottrop wird in psychosoziale Beratungsangebote sowie sozialraumorientierte Lotsen- und Trainingsprogramme intensivieren.
- In Lüdinghausen richtet sich das Projekt "Zusammen geht mehr" vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) mit einem ganzheitlichen Präventions- und Entwicklungsansatz gezielt an Kinder und Jugendliche, welche sich zunehmend im Alltag einsam fühlen.
- Während der "blauen Stunde" lädt der SkF Hamm in Westenheide Mütter mit ihren Kindern dazu ein, gemeinsame Zeit zu verbringen und Kontakte zu knüpfen. Dabei sollen interkulturelle Begegnungen, sinnvolle Entlastungen und nachhaltige Angebote umgesetzt werden.
- Mit dem Projekt "LandVerbunden" möchte der Caritasverband Coesfeld im ländlichen Gebiet ein sozialraumorientiertes Angebot schaffen, in dem vor allem generationsübergreifende Begegnungen unterstützt werden. Dabei sind kulturelle Highlights wie Theaterprojekte, Lesungen und Konzerte aber auch Reparaturcafés und Themennachmittage geplant.
"Alle Angebote haben gemein, dass sie niederschwellig auf Betroffene zugehen", sagt Sarah Fuchs, die das Projekt "Wege aus der Einsamkeit" im DiCV leitet. "Das subjektive Gefühl von Einsamkeit ist häufig schambesetzt - die Hemmung, sich damit offizielle Hilfe zu suchen, ist groß." Hilfreicher sei es deshalb, sich den Auslösern zu widmen und dabei auch präventiv zu handeln. "Aus Bewegungs-, Ernährungs- oder Kultur-Angeboten können zum Beispiel Impulse entstehen, die Gemeinschaft ermöglichen und Soziale Teilhabe erlebbar machen."
Die Auseinandersetzung der Caritas im Bistum Münster mit dem Thema ist nicht neu. Schon seit Jahren gibt es Initiativen und Aktionen, die sich mit den Auswirkungen von Einsamkeit beschäftigen. "In den vergangenen Jahren hat die Problematik durch wissenschaftliche Studien und die politische Aufmerksamkeit an Aktualität gewonnen", sagt Fuchs. "Wenn sich mittlerweile jede sechste Person manchmal oder häufiger einsam fühlt, ist das alarmierend." Umso mehr freut es die Initiatoren des Projekts, dass die Fördermittel Konkretisierungen und Weiterentwicklungen von Caritas-Angeboten ermöglichen.
Monika Brüggenthies verweist dabei auch auf die gesellschaftliche Relevanz solcher Angebote. "Einsamkeit hat weitreichende Folgen - für den einzelnen Betroffenen und für die Gemeinschaft." Gesundheitliche Folgen, körperliche wie psychische, seien erwiesen. Zudem sind dauerhaft einsame Menschen für Radikalisierung und extremistische Tendenzen empfänglicher. "Einsamkeit kann somit auch zur Gefahr für die Demokratie werden."
Das DiCV-Projekt "Wege aus der Einsamkeit" ist Teil der Kampagne "Mensch Münster! Zusammen geht was!" der Caritas und des Bistums Münster, die in den kommenden Monaten das Thema mit unterschiedlichen Angeboten, Fachtagen und öffentlichen Aktionen darstellen, scharfzeichnen und zur Diskussion bringen wird.
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.