Mit Freude, aber auch mit Bedacht: Julia Jansen-Beckmann mit dem dreijährigen Carlo bei der spielerischen Arbeit mit dem Tablet.Michael Bönte/Diözesancaritasverband für die Diözese Münster
"Enorm." So fasst Julia Jansen-Beckmann die Arbeitserleichterung zusammen, die sie durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Kindergartenalltag bereits erlebt. "Organisatorisch, zeitlich, inhaltlich…" , zählt die Leiterin der KiTa St. Joseph in Haltern am See auf. Sie nutzt die Möglichkeiten intensiv und erlebt dabei immer wieder den Mehrwert, aber auch die Grenzen und Probleme. Ein Grundsatz: "Am Ende entscheidet immer mein eigenes Wissen und meine eigene Erfahrung - die KI hilft mir aber dabei, mit diesem Hintergrund meine Arbeit im Alltag schneller und oft auch eleganter zu erledigen." Ein weiterer: "Das alles verläuft datenschutzkonform, um die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten zu wahren."
Sie erklärt das an einem alltäglichen Beispiel: Ein Kind mit einer ADHS-Diagnose zeigte Verhaltensweisen, die mit den Eltern besprochen werden mussten. "Ich hätte mich hinsetzen und die Fragestellungen und Hintergründe selbst ausformulieren können, die ich für das Gespräch benötige." Sie bat hingegen die KI, aus der anonymen Umschreibung der Auffälligkeiten vor dem Hintergrund der Erkrankung ein sensibles Anschreiben an die Eltern und ein Konzept für das Gespräch mit ihnen über den künftigen Umgang mit der Situation des Kindes zu schreiben.
"Es ist erstaunlich, wie emphatisch und feinfühlig die KI mit schwierigen Themen umgeht", sagt Jansen Beckmann. "Die Formulierungshilfen sind dann eine große Hilfe." Natürlich schaut sie noch einmal genau darauf, um es mit ihren fachlichen Hintergründen abzugleichen. "Da muss ich schon hier und da umformulieren." Manchmal aber hat die KI auch ganz neue Ansätze eingebunden. "Dann ist es meine Aufgabe zu recherchieren, wie gesichert diese Informationen sind." Bei aller Nachbereitung: "Die zeitraubende Fleißarbeit ist mir abgenommen worden."
Die Unterstützung bei der Aktenarbeit, Dokumentation oder dem Schriftverkehr ist aber nur ein Blickwinkel für das Zusammengehen von Kita-Alltag und Künstlicher Intelligenz. Auch in der Bildungsarbeit wird sie immer mehr Relevanz bekommen, sagt Linda Wade, Referentin im Bereich Kinder-, Jugend- und Familienhilfe des Caritasverbandes für die Diözese Münster. "Künstliche Intelligenz wird zunehmend Einzug in unser pädagogisches Umfeld halten - sei es durch digitale Sprach-Lern-Apps, kreative Tools zur Bilderstellung oder intelligente Dokumentationshilfen." Für die pädagogischen Fachkräfte stelle sich damit die Frage, wie KI in der Arbeit mit Kindern sinnvoll, verantwortungsvoll und bildungswirksam eingesetzt werden könne.
Eine Entwicklung, um die mittelfristig keine Kita herumkomme, sagt Wade. "Wenn Kinder immer mehr mit digitalen Technologien aufwachsen, ist der Umgang mit KI eine logische Folge." Was ein frühzeitiges Heranführen notwendig mache, das Verstehen, Reflexion und kindgerechtes Wissen ermögliche. "Die Kinder sollten früh lernen, damit sie der KI später nicht ausgesetzt sind, sondern bewusst und verantwortungsvoll mit ihr umgehen können."
Jansen-Beckmann kann diesem Ansatz viel abgewinnen. Die Kita-Leiterin kennt aber auch dessen Hürden. "Oft scheitert es schon an der notwendigen Hard- und Software." Kaum ein Kindergarten sei von der Computertechnik so aufgestellt, dass er ein dauerhaftes KI-Bildungs-Angebot für Kinder leisten könne. Zudem ist ein solches Angebot stark von der persönlichen Begeisterung einzelner Mitarbeitenden abhängig. "Es darf aber nicht sein, dass sich in der einen Kita jemand für das Thema stark macht - in der anderen sich aber keiner davon angesprochen fühlt." Eine Verankerung im Bildungsauftrag und die Qualifizierung von Erzieherinnen sei notwendig.
Und dann ist da noch ein Problem in der Wahrnehmung von außen, weiß Jansen-Beckmann. "Viele Eltern haben das Gefühl, dass ihre Kinder ohnehin zu oft im Internet unterwegs sind", sagt sie. "Wenn sie dann auch noch im Kindergarten das Tablet in der Hand halten, finden sie das gar nicht gut." Deswegen gehe es auch darum, den Umgang zeitlich und inhaltlich bewusst zu gestalten. Ein Lernprozess, der den Kindern helfen werde, künftig auch die Möglichkeiten und Probleme der Künstlichen Intelligenz einzuordnen.
Mit diesen Fragen werden sich beim Fachtag "Kita&KI - Wie kann das gehen" am 2. Juni Fachkräfte aus dem Bereich der Kindertagesbetreuung auseinandersetzen. Ihre Haltung, Erwartungen und Verantwortlichkeiten können sie dabei reflektieren. Anhand von Praxisbeispielen wird aufgezeigt, wie KI kreative Prozesse in Projekten und Spielen unterstützen, Sprachförderung erleichtern oder barrierefreie Zugänge schaffen kann. Gleichzeitig wird der Einsatz von KI bei Dokumentation und Entwicklungsberichten in den Blick genommen. Auch die Zusammenarbeit mit Eltern und Kooperationspartnern wird thematisiert.
Weitere Informationen und Anmeldung: www.caritas-bistum-muenster.de/fortbildung
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.